Anni Teiwes berichtet über ihre Erlebnisse
Anni Teiwes berichtet über ihre Erlebnisse

 „Das musst Du unbedingt ins Internet bringen“, drängt meine Mutter. „Es knallte in meinem Kopf, wie wenn ein Luftballon platzt! Wenn ich gewusst hätte, was das bedeutet, dann wäre ich doch sofort ins Krankenhaus gegangen. Aber wie konnte ich das wissen? Meine Geschichte sollen andere Menschen erfahren, damit sie nicht den gleichen Fehler machen wie ich.“ Anni Teiwes, Jahrgang 1937, ist eine von etwa 250.000 Menschen in Deutschland, die in 2014 einen Schlaganfall erlitten haben. Der im Volksmund auch als Hirninfarkt bezeichnete Schlaganfall ist sehr gefährlich. Er führt nicht selten zu schweren gesundheitlichen Schäden oder gar zum Tod. Doch es gibt auch „kleine“ Schlaganfälle, die Vorboten der grossen Bedrohung sind, aber nicht immer sofort erkannt werden. Das hat Anni erlebt. Zum Glück ist sie von schlimmeren Folgen verschont geblieben. Hier ist ihre Geschichte.

Kein gewöhnlicher Morgen

Anni Teiwes trifft Zuhause ein und legt mit einem Seufzer ihren Mantel ab. Sie kommt von ihrem Hausarzt. Es ist ein trister Novembermorgen, und der erste Advent steht an. Doch Anni ist alles andere als festlich zumute. Seit einiger Zeit plagen sie Schmerzen in ihrem Bauch. Der Arzt  hat mit Ultraschall einen Gallenstein festgestellt. Keine guten Nachrichten. Anni blickt auf die Uhr. Es ist halb zwölf. Sie will sich etwas ablenken und beginnt zu Kochen. „Auf einmal fährt mir ein lauter Knall durch den Kopf – wie ein Luftballon, der zerplatzt. Danach habe ich ein fürchterliches Rauschen gehört. Mir wird schwindelig, so dass ich mich setzen muss. Ich bin zutiefst erschrocken gewesen“, berichtet sie. Nach einigen Minuten war der schlimme Spuk vorbei. „Ich habe sofort an einen Schlaganfall gedacht, und bin darum zum Spiegel gegangen, um mein Gesicht zu betrachten. Die Mundwinkel sind beide gerade gewesen und damit ok. Ich habe auch sonst nichts Aussergewöhnliches gespürt.“ Auf Annis Bitte bringt Sohn Eckhardt sie zurück in die Praxis des Hausarztes. Doch der ist ausgerechnet jetzt nicht anwesend. Etwas ratlos kommen die beiden zurück. Für den Moment hat Anni genug von Ärzten und Sorgen. Sie packt einen Koffer mit den wichtigsten Sachen. Wenn mir das noch einmal geschieht, bin ich sofort im Krankenhaus, sagt sie sich. Doch es bleibt ruhig, zunächst.

Warnsignale falsch gedeutet

In den Tagen darauf erfährt Anni mehrfach Schwindelanfälle. „Sie kamen unregelmässig, ein- bis zweimal am Tag. Mir war dann einige Minuten schwummerig im Kopf“, erinnert sie sich. „Ich ging zum Hausarzt und berichtete ihm von den Schwindelanfällen. Ausserdem spürte ich ein Kribbeln auf meiner Oberlippe. Ich weiss nicht warum, vermutlich hatte ich es aus Aufregung vergessen, ich berichtete ihm nicht von meinem Erlebnis mit dem Knall in meinem Kopf. So schickte mich mein Hausarzt zum HNO-Arzt, der mich wegen des Schwindelgefühls behandelte. Es kam mir komisch vor, dass die Schwindelanfälle immer wiederkamen. Darum zweifelte ich daran, dass mein Problem nur mit dem Gleichgewichtszentrum zu tun hatte. Ich dachte, ich hätte mir mit meinem Atlasknochen am Halswirbel einen Nerv eingeklemmt.“ Eine Woche lang machte Anni Arztbesuche. Der HNO-Arzt führte bei ihr einen Hörtest durch. Da Anni schon zuvor an einer Hörschwäche auf einem Ohr litt, fiel zunächst nicht auf, dass sich Annis Hörvermögen etwas verschlechtert hatte. Der Arzt verschrieb ein homöopathisches Mittel gegen Schwindel. Es ging alles nach Schema F, ohne Annis Erlebnisse der letzten Zeit im Gespräch zu erforschen. So kamen ihre Erfahrung mit dem Knall im Kopf und die Verschlechterung des Gehörs nicht ans Tageslicht. Niemand ahnte, dass sich Anni in grosser Gefahr befinden könnte.

In der Nacht zum 8. Dezember geschah es dann unangekündigt und ohne Knall: „Am Morgen beim Aufstehen spürte ich auf der ganzen rechten Körperseite ein Taubheitsgefühl, und es kribbelte, wie wenn der Arm eingeschlafen ist. Ich hatte weder Lähmungserscheinungen noch war mir schwindelig. Darum wusste ich nicht, was mit mir los war. Um Klarheit zu bekommen, entschied ich mich diesmal, ins Krankenhaus zu gehen.“ Jedoch nicht sofort, wie es nötig gewesen wäre. Anni machte zuvor noch einige Besorgungen, was im Nachhinein betrachtet fahrlässig war. So kam wurde sie erst gegen 18 Uhr abends untersucht. Das örtliche Krankenhaus ist zwar gut ausgestattet, doch eine dedizierte Stroke-Abteilung gibt es nur in der Neurologie des Krankenhauses in der benachbarten Stadt. Angeblich aus organisatorischen Gründen gelingt die Verlagerung von Anni in das andere Krankenhaus nicht.

MRT schafft Klarheit

Glücklicherweise kann das örtliche Krankenhaus auch eine professionelle Versorgung bei Schlaganfall anbieten. Die Ärzte beginnen mit den Checks. Sie setzen zunächst die Computertomografie (CT) und später die Magnetresonanztomografie (MRT) ein, um detaillierte Bilder vom inneren des Schädels zu erhalten. Zunächst scheint alles ok zu sein. Erst die MRT-Bilder bringen die Wahrheit ans Licht. Eine Ärztin klärt Anni auf: „Sie hatten in der vergangenen Nacht zwei Schlaganfälle. Da ist ein Blutgerinnsel im Gehirn. Und nicht nur das. Offenbar hatten Sie zuvor neun kleine Schlaganfälle. Vermutlich geschahen die im Laufe der letzten Woche – immer dann, als Sie einen Schwindelanfall spürten.“ Diese Nachricht trifft Anni wie ein Hammer. Die Ärztin spricht mit ihr in Ruhe über den Vorgang des Schlaganfalls und mögliche Vorboten. Hat es nicht doch weitere Anzeichen gegeben, die auf einen Schlaganfall hinwiesen? Anni sollte einmal genau nachdenken. Und da fiel es ihr plötzlich wieder ein – der graue Novembervormittag am Kochherd, plötzlich dieser laute Knall im Kopf und anschliessend das fürchterliche Rauschen. Es gibt keinen Zweifel mehr, dieser Knall war der erste Vorbote auf ihren Schlaganfall.

Vorboten einer vermeidbaren Katastrophe

Anni hatte eine Reihe kleiner Schlaganfälle erlebt, auch Streifschläge, „Streifungen“ oder im Fachjargon Transitorisch Ischämische Attacken (TIA) genannt. Streifungen sind die Vorboten eines schweren Schlaganfalls. Sie kommen unerwartet wie aus dem Nichts, dauern wenige Minuten bis Stunden an und verschwinden dann wieder. Bei Anni bewirkten sie den Knall im Kopf, die Schwindelanfälle, die Fühlstörung am Mund und die Hörschwäche. In anderen Fällen können auch kurzzeitig Störungen wie einseitige Lähmungen, Sprechstörungen oder Fühlstörungen auftreten. Ein Arm, eine Hand oder ein Bein kann sich pelzig anfühlen, eine Gesichtshälfte herab hängen oder gelähmt sein.

Ein Blutpfropfen verstopft eine Arterie
Ein Blutpfropfen verstopft eine Arterie

Die Ursache einer Streifung ist ein kleiner Blutklumpen, ein Embolus, der eine Arterie im Gehirn verstopft und die Blutzufuhr zu einer Hirnregion behindert oder unterbricht. Der Blutpfropfen kann aus einer Arterienverkalkung oder Verletzung im Hirn entstehen, jedoch auch aus einer Verengung in der Halsschlagader, ebenfalls infolge einer Arterienverkalkung. Bei Menschen mit Herzklappenfehler kann ein Blutpfropfen sogar aus anderen Teilen der Körpers über den Blutkreislauf zum Gehirn gelangen, indem er durch ein Verbindungsloch zwischen der rechten und linken Herzvorkammer schlüpft. Je nachdem, wo der Arterienverschluss stattfindet und welche Gehirnregion dadurch abgeklemmt wird, fällt die körperliche Störung unterschiedlich aus. Sie geschieht oft nur auf einer Körperseite, immer entgegengesetzt zu der Hirnhälfte, in der die Blutzufuhr unterbrochen ist.

Bei einer Streifung löst sich der Blutpfropfen nach einer kurzen Zeit wieder auf, so dass die Störung genauso unerwartet wie sie eintritt auch wieder von selbst verschwindet. Zwar ist die kurzfristige Durchblutungsstörung nicht mit einem großen Schlaganfall gleichzusetzen. Dennoch sind sich Neurologen einig: das ist ein medizinischer Notfall! Denn nach diesem Ereignis besteht für die Betroffenen ein höheres Risiko, einen Hirninfarkt zu erleiden. „Innerhalb der ersten vier Wochen kommt es bei mehr als 10 Prozent der Patienten zu einem Schlaganfall, während der ersten drei Monate sogar bei etwa 17 Prozent“, mahnt Professor Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Abteilung an der Asklepios Klinik Altona in Hamburg in der Apothekenumschau im Mai 2014.

Ursachen eines Schlaganfalls
Ursachen eines Schlaganfalls

Ursachen für Schlaganfall

Wenn sich ein Blutpfropfen im Kopf nicht auflöst, kann er eine Arterie dauerhaft verschliessen. Dann erhalten die Nervenzellen in dem betroffenen Gehirnareal zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, so dass sie massenhaft absterben. Dann kommt es zum Schlaganfall. Es gibt aber noch eine weitere, seltenere Ursache. Wenn verkalkte Blutadern im Gehirn reissen, dringt Blut aus und überschwemmt das Gewebe in einem Areal.  In beiden Situationen fallen Funktionen des zentralen Nervensystems aus, was wiederum schwere körperliche Funktionsstörungen wie einseitigen Lähmungen oder Sprechstörungen zur Folge hat. Diese Funktionsstörungen können sich im glücklichen Fall vollständig zurückbilden, doch oft bleiben körperliche Behinderungen.

Der Schlaganfall ist letztlich die Folge eines längerfristigen Krankheitsprozesses in drei Phasen. Zu Beginn entwickelt die betroffene Person, meistens durch eine ungesunde Lebensweise, typische Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht. Durch diese Faktoren erkranken in der zweiten Phase über einen langen Zeitraum die Blutgefäße, also Adern und Kapillaren, unbemerkt. Die Gefäßwände werden mit Schlacken zugesetzt, verlieren an Elastizität und verengen sich, was den Blutfluss behindert. Die Gefäße sind schließlich durch Ablagerungen verkalkt, wie ein altes Abflussrohr. Verschließt sich in Phase drei eine Arterie im Gehirn, kommt es zum Schlaganfall. Das Risiko eines Schlaganfalls nimmt mit dem Lebensalter deutlich zu. Gemäss Statistiken ereignen sich etwa 50% aller Schlaganfälle in der Altersgruppe der Menschen über 75. Aber auch junge Menschen sind immer öfter betroffen.

Stress ist der Humus für Schlaganfall

Stress kann in allen Phasen des Krankheitsprozesses und beim Schlaganfall einen bedeutenden negativen Einfluss ausüben. Stress erhöht die Häufigkeit von Entzündungsreaktionen im Körper und führt zu Stoffwechselstörungen und Bluthochdruck. Fachleute vermuten, dass körperliche Stresshormone die Endothelzellen, die den Innenraum der Arterien auskleiden und eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutdrucks spielen, schädigen. So kann unkontrollierter Bluthochdruck dazu beitragen, dass kleine Arterien im Gehirn gewissermaßen „rau“ und damit anfällig für Verstopfungen oder gar Risse werden. Gefährlich ist negativer Stress, ausgelöst zum Beispiel durch Krisen in der Familie, durch den Tod eines lieben Menschen oder durch dauerhaften psychischen Druck am Arbeitsplatz.

Sie hätten früher kommen müssen

Anni sitzt auf ihrem Bett im Krankenzimmer und denkt über ihre Erlebnisse in den letzten Tagen nach. Sie macht sich Vorwürfe. Hätte sie doch nur früher gehandelt, geht ihr durch den Kopf. Sie reibt ihren rechten Arm. Die Fühlstörungen sind immer noch da. In der Nacht wird der Unterarm schnell kalt und am Ellenbogen treten Taubheitsgefühle ein. Bei der nächsten Visite fragt sie den Arzt, ob das normale Gefühl wiederkehren wird. Der konfrontiert Anni ohne Umschweife mit der Realität: „Da hätten Sie früher kommen müssen. Sie können froh sein, dass bei Ihnen die Auswirkungen des Schlaganfalls nicht so schlimm sind. Das einzige, was ich für Sie jetzt noch tun kann ist, Ihnen eine Reha zu verschreiben. Und damit eilte der Arzt schon wieder raus. Ich fand das hart. Aber er hatte Recht. Ich hätte sofort ins Krankenhaus fahren sollen, als ich den Knall im Kopf hörte und der Schwindelanfall kam“, erklärt Anni nachdenklich.

Rehabilitation mit Kraft und Geduld

Damit sich der Schlaganfall nicht wiederholt, müssen dessen Risikofaktoren eingedämmt werden. Das geschieht mit Medikamenten und einer gesunden Lebensweise. Annis Blutwerte sind eigentlich normal. Dennoch muss sie zur Vorsicht Medikamente einnehmen, die Blutdruck und Cholesterinspiegel senken, das Blut verdünnen und die Blutgerinnung hemmen. Gewichtsprobleme hat Anni nicht, das ist von Vorteil. Und für körperliche Bewegung und eine gesunde Lebensweise hatte sie auch schon vorher gesorgt. Allerdings meidet sie heute Alkohol gänzlich.

Anni verlässt das Krankenhaus bereits nach wenigen Tagen. Die Ärzte haben ihr eine dreiwöchige neurologische Rehabilitation mit den Schwerpunkten Ergotherapie, Gleichgewichtstherapie und Physiotherapie verschrieben. Das Krankenhaus hat ihr auch dabei geholfen, einen Reha-Platz zu finden und die nötigen Unterlagen auszufüllen. Der Übergang vom Krankenhaus zur Rehabilitationsklinik muss schnell geschehen, denn in vielen Fällen bessert eine sofortige  Therapie die Krankheitssymptome deutlich. Mit etwas Glück gelingt es, Schäden ganz zurückzubilden. Anni kommt zur Therapie in die Marcus-Klinik in Bad Driburg. Sie wird freundlich aufgenommen und fühlt sich schnell wohl. Der Tageskalender ist mit Terminen bei Therapeuten gefüllt. Zwischendurch erfreut sie sich an dem wunderschönen gräflichen Park, der schon mehrfach zu den schönsten Gartenanlagen Deutschlands gewählt wurde.

Die neurologische Rehabilitation zielt darauf ab, die Behinderungen durch einen Schlaganfall zu mindern oder im Idealfall zu beseitigen. Patienten mit schweren Störungen werden Fähigkeiten erneut angelernt, indem gesunde Gehirnanteile die Funktion der kranken übernehmen. Wie schwierig und langwierig das werden kann, zeigt das Schicksal der beliebten Sportmoderatorin Monika Lierhaus. Sie wurde von einem Tag auf den nächsten aus ihrem Leben gerissen. Nach einer riskanten Hirnoperation in Jahr 2009 verlor sie Sprache, Mimik und wesentliche motorische Fähigkeiten. Doch die tapfere Frau ging mit unglaublicher Kraft, Hartnäckigkeit und Geduld über Jahre zu Physiotherapie und Sprechtraining. So hat sie sich ihre Bewegung und Sprache fast vollständig zurückerobert. Monika Lierhaus ist ein grosses Vorbild für Betroffene, denn je aktiver ein Betroffener bei den Übungen mitwirkt, umso größer sind die Chancen auf Heilung.

Zu Weihnachten im familiären Kreis im Pferdestall
Zu Weihnachten im familiären Kreis im Pferdestall

Liebe heilt

Die Reha verläuft gut, und dennoch ist Anni etwas wehmütig: „Zur Weihnachtszeit fehlt mir schon meine Familie und Freunde, und das gemütliche Miteinander daheim.“ Menschen, die Schicksale durchleben, fühlen sich oft einsam und brauchen deshalb besonders viel Zuwendung und Liebe. Für die Familie ist es natürlich auch schwer, wenn die „Mama“ in der Klink ist. Da heisst es, öfter mal den Hörer in die Hand nehmen und anrufen, oder noch besser, sich Zeit nehmen für Besuche. Denn ein gemütliches Miteinander geht auch in der Reha-Klinik oder deren Umgebung. So feierte Anni das Weihnachtsfest in familiärem Kreis und gemütlicher Atmosphäre im Restaurant „Pferdestall“ des Gräflichen Park Hotels in Bad Driburg. Das passte dann auch wunderbar zur Weihnachtsgeschichte.

„Was tun bei Schlaganfall?“

In Deutschland erleiden jährlich etwa 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Dabei sind auch immer mehr junge Leute betroffen. Wie im Fall von Anni Teiwes werden die Warnsignale oft nicht sofort richtig gedeutet. Zur fachgerechten Behandlung kommt es dann verspätet, was zu schlimmen Folgen für Betroffene führen kann. Durch Aufklärung, vorbeugendes Verhalten und mehr Aufmerksamkeit können wir alle – Patienten, Angehörige und Mediziner – das Schlimmste vermeiden. Hier bei Treffpunkt-Diskussion wollen wir den Fall von Anni Teiwes aufgreifen, um die wichtigsten Fragen zum Schlaganfall zu klären.

Was sollten Betroffenen oder Angehörige bei Verdacht auf Schlaganfall tun?

Sofort den Notarzt (nicht den Hausarzt) anrufen. Die betroffene Person muss schnellstens in das nächste Krankenhaus gebracht werden – wenn möglich in ein Krankenhaus mit Stroke-Abteilung. Die Notrufnummer ist in allen EU-Ländern, der Schweiz und den meisten anderen europäischen Ländern immer 112.

Jede Minute zählt, denn die Zeit ist der wichtigste Faktor, um die Folgen des Schlaganfalls so gering wie möglich zu halten. Die größte Chance, den Schlaganfall effektiv zu behandeln, besteht innerhalb der ersten Stunden nach dem Eintreten der Symptome.

Schlaganfall – Kurzreportage, Mona Lisa, ZDF

Html code here! Replace this with any non empty text and that's it.

Woran kann man einen Schlaganfall selbst sofort erkennen?

Wer zu einer Risikogruppe für Schlaganfall gehört, sollte bei auftretenden Symptomen immer auch an einen möglichen Schlaganfall denken. Die betroffene Person sollte sich selbst oder besser durch helfende Angehörige nach Befinden und Beschwerden überprüfen. Gibt es einseitige Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprach- oder Sprechstörungen, Gleichgewichtsstörungen mit und ohne Schwindelgefühl oder Seh- und Hörstörungen?

Machen Sie den FAST-Test! Das geht so: Ein Angehöriger bittet die betroffene Person zu lächeln, beide Arme gleichzeitig zu heben und einen einfachen Satz nachzusprechen. Wenn der Betroffene mit einer dieser Aufgaben Probleme hat, sollte sofort der Notarzt angerufen werden. Mit diesem sogenannten FAST-Test kann jeder schnell und mit hoher Sicherheit überprüfen, ob der Betroffene Schlaganfallsymptome hat. FAST steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache), die bei einem Schlaganfall immer mit betroffen sind, und Time (Zeit, das schnelle Wählen des Notrufs).

Was ist zu tun, bis der Notarzt kommt?

Bis der Notarzt eintrifft, heisst es für Angehörige und Helfer, ruhig zu bleiben und einen kühlen Kopf zu bewahren, jedoch zügig vorzugehen. Ruhe kommt dem Betroffenen direkt zugute, und Zeit rettet am Ende Hirnfunktionen.

Der Betroffene muss möglichst frei atmen können. Darum sollten Helfer nach getätigtem Notruf für frische Luft sorgen. Alle beengenden Kleidungsstücke sind zu lockern, damit der Betroffene gut atmen kann. Essen oder Trinken sind für den Betroffenen nicht erlaubt, da er ersticken könnte. Bei Bewusstlosigkeit muss der Betroffene in eine stabile Seitenlage gebracht sowie Puls und Atmung kontrolliert werden.

Bei Kreislaufstillstand sollte der Helfer mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen und diese fortführen, bis der Notarzt eintrifft. Das beinhaltet Herzdruckmassage (30x pro Minute) und Atemspende (2x pro Minute).

 

Was sind Hinweise auf einen Streifschlag oder Schlaganfall?

Ein Streifschlag, auch „Transitorisch Ischämische Attacke (TIA)“ genannt, bezeichnet eine kurzfristige Mangeldurchblutung (Ischämie), deren Symptome einem Schlaganfall gleichen, sich aber wieder vollständig zurückbilden. Ein Streifschlag dauert wenige Minuten bis Stunden.

Ein Streifschlag geschieht, wenn ein kleines Blutgerinnsel ein Blutgefäß im Gehirn blockiert. Er endet, wenn das Gerinnsel plötzlich zerbricht und sich wieder im Blut auflöst. Sollte sich das Blutgerinnsel jedoch nicht auflösen, sterben die Gehirnzellen in der betroffenen abgeklemmten Hirnregion ab und es bildet sich eine Narbe. Dann kommt es zu einem schweren Schlaganfall. Die Hauptquellen der Blutgerinnsel sind Plättchenansammlungen in Arterien und an Herzklappen, sowie von Gerinnselbildung durch eine unregelmäßige Herztätigkeit. Je nachdem, wo Gerinnsel auftreten können unterschiedliche Krankheitsbilder entstehen. In den Beinen führen sie zur Thrombose in der Beinvene, im Herz zum Herzinfarkt, in der Lunge zur Lungenembolie und im Gehirn zum Schlaganfall.

Gefahren durch Blutgerinnsel
Gefahren durch Blutgerinnsel

Wenn eine der Schlagadern an der Schädelbasis durch ein Gerinnsel betroffen ist, sind die Symptome oft Sehstörungen wie Doppeltsehen und Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, schleppende Sprache, Unfähigkeit zu sprechen und Sprache zu verstehen, Taubheit um den Mund und Schwäche oder Jucken in den Armen oder Beinen. Ist die Kopfschlagader betroffen, kann dies einen völligen Sehverlust verursachen. Eine Mangeldurchblutung einer Großhirnhemisphäre hat Anzeichen wie einseitige Lähmungen, Taubheit, einseitiger Sehverlust oder Sprachverlust.

 

Symptome von Streifschlag bzw. Schlaganfall im Überblick:

  • Gleichgewichtsstörungen mit und ohne Schwindel
  • Sehstörungen (Doppeltsehen, kurzzeitige Erblindung auf einem Auge)
  • Hörstörungen (Hörverlust, Knallgeräusch im Kopf)
  • Störungen der Sprache oder des Sprachverständnisses
  • Unfähigkeit zu lesen, zu rechnen oder zu schreiben
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Arm, Bein oder im Gesicht bis hin zu Lähmungen einer ganzen Körperhälfte (herabhängender Mundwinkel, herabhängendes Augenlid)
  • Einknicken der Beine
  • Plötzlich eintretende, starke Kopfschmerzen

Diese Symptome können auch von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden.

Schlaganfall: Erkennen, handeln und Leben retten, Techniker Krankenkasse

Ist ein Knall im Kopf ein sicherer Hinweis auf einen Schlaganfall?

In Internet-Foren gibt es einige wenige Berichte von Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie Anni Teiwes gemacht haben. So schreibt Heike in 2011 auf NetDoktor.de: „Mein Mann hatte sich Mittags hingelegt und ist durch einen lauten Knall im Ohr wach geworden. Dieser Knall muss in seinem Kopf gewesen sein, denn ich war auch Zuhause im Nebenzimmer. Als er dann aufstehen wollte, merkte er, dass etwas mit seinem rechten Bein nicht stimmt. Er konnte nicht mehr richtig auftreten, und das hat sich über Tage hingezogen. Ich mache mir Sorgen, weil er damit auch nicht zum Arzt geht und er sich so sehr verändert hat. Er ist aggressiv geworden und nervös.“ Diese Symptome weisen auf einen Schlaganfall hin.

Es gibt auch andere Situation, wo Personen einen lauten Knall im Kopf wahrnehmen. Unmittelbar vor dem Schlafengehen erleben einige Menschen das „Exploding Head Syndrom“ (Syndrom des explodierenden Kopfes). Die Ursachen sind nicht bekannt, es wird aber vermutet, dass Stress und Schlafmangel damit zusammen hängen.

 

Was verursacht den Knall im Kopf?

Die genaue Ursache für den Knall im Kopf ist nicht bekannt. Überhaupt ist die Arbeitsweise des Gehirns bei „Hörerlebnissen“ noch nicht weit erforscht. Der Knall, den Anni Teiwes wahrgenommen hatte, war nicht akustisch sondern geschah in ihrem Kopf. Möglicherweise war durch den Streifschlag das Hörzentrum im Gehirn betroffen. Dafür sprich auch Annis Feststellung, dass ihre Hörfähigkeit nach dem Knallerlebnis für etwa 2 Wochen geschwächt war. Nach Aussagen von Fachleuten sterben mit dem Gefäßverschluss, der den Schlaganfall auslöst, etwa 2 Millionen Nervenzellen pro Minute ab. Wenn dabei das Hörzentrum im Gehirn betroffen ist, könnte das massenhafte Absterben der Zellen durch einen im Gehirn erzeugten Knall spürbar werden.

Wie wird ein Schlaganfall sicher erkannt?

Für die sichere Diagnose eines Schlaganfalls verwenden Ärzte die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT). Die CT ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem der zu analysierende Körperteil, in diesem Fall der Kopf, mit einem schnell rotierenden Röntgenstrahl abgescannt und in vielen Schichtbildern dargestellt wird. Gewebearten und Verletzungen erscheinen aufgrund ihrer unterschiedlichen Dichten verschieden hell im Bild.

Die MRT ist ebenfalls ein bildgebendes Verfahren, das mit einem gewaltigen röhrenförmigen Magneten und mit starken Magnetfeldern funktioniert.  Das MRT-Verfahren ist für den Menschen unschädlich im Vergleich zum CT-Verfahren, das hochenergetische Röntgenstrahlen einsetzt. Ausserdem gilt in Fachkreisen die MRT der CT überlegen, um kleine und schwere Schlaganfälle sicher nachzuweisen. Die MRT wird daher als das primäre Verfahren zur Evaluation akuter Schlaganfallpatienten eingesetzt. Die CT bleibt dennoch bedeutsam, denn es sind nicht alle Patienten für die MRT geeignet, und zudem ist die Untersuchungszeit der CT kürzer.

 

Welche Risiken können zum Schlaganfall führen?

Es ist nicht möglich, das Risiko eines Schlaganfalles durch eine besondere Lebensweise völlig auszuschließen. Im Prinzip kann es jeden treffen. Allerdings steigt das Risiko mit bestimmten persönlichen Eigenschaften an. Einige Eigenschaften sind fest vorgegeben:

  • Zunehmendes Lebensalter: etwa 50% aller Schlaganfälle ereignen sich in der Altersgruppe der über 75-Jährigen
  • Genetische Veranlagung: wenn in der Familie schon Schlaganfälle aufgetreten sind

Aber auf die folgenden Risikofaktoren  kann jeder selbst durch seine Lebensweise oder durch ärztliche Behandlung positiv Einfluss nehmen:

  • Zu hoher Blutdruck
  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
  • Gestörter Fettstoffwechsel (zu hoher Cholesterinspiegel)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Stress
  • Mangelnde Bewegung
  • Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
  • Übergewicht

Die aufgeführten Risikofaktoren begünstigen grundsätzlich alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die häufigste Begleiterscheinung davon ist die Arteriosklerose, eine Art „Verkalkung“ der Adern. Dabei werden Schlacken wie Cholesterin, Bindegewebe, Blutzellen und Kalksalze an den Innenwänden der Adern abgelagert. Werden diese Ablagerungen von dort abgespült, können sie im schlimmsten Fall Gefäße im Gehirn verstopfen und so einen Schlaganfall verursachen.

Wie begünstigt Stress den Schlaganfall?

Dauerhafter Stress und psychische Belastungen sind der Nährboden für viele zum Teil schwere Krankheiten inklusive Schlaganfall. So führen schwere Trauer, Krach mit dem Partner oder Existenzangst in der Firma bei vielen Menschen zu erhöhtem Blutdruck, und der ermöglicht es bestimmten Körperstoffen, sich an den Wänden der Blutgefäße festzusetzen und sie zu verengen. Diese „Verkalkung“ verringert die Durchblutung, was wiederum die Gefäße schneller altern lässt. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt, je eher man dazu neigt, Probleme in sich hineinzufressen, statt den Stress rauszulassen. Bei andauerndem Stress ist es besonders wichtig, dem Körper viele Ruhephasen und Entspannung, und auch der Seele Ausgleich zu gönnen. Gegen Bluthochdruck helfen Sport, Vermeidung von Übergewicht, Kochen mit wenig Salz und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin.

Was tun gegen Arterienverkalkung?

Zur Arterienreinigung helfen die folgenden einfachen Hausmittel:

  • Regelmäßig Bewegung an der frischen Luft
  • Vermeiden fettreicher Nahrung
  • Vermeiden frittierter Lebensmittel
  • Umsteigen von tierischen Fetten auf pflanzliche Öle
  • Fetten Meeresfisch (Makrele, Hering, Lachs)
  • Einmal pro Woche einen Obsttag einlegen (oder Sauerkrauttag)
  • Vitamine C und E (Paprika, Beeren, Zitrusfrüchte, Leinöl, Weizenkeime)
  • Regelmäßig Wechselfußbäder
  • Rauchen einstellen
  • Stressvermeidung und –bekämpfung

 

Arterienverkalkung - Lehrvideo der Dr Rath Gesundheitsallianz

Was tun gegen zu hohen Cholesterinspiegel?

Um die Blutwerte in den Griff zu bekommen, hilft viel Bewegung, Abnehmen und die richtige Ernährung mit viel Obst, echten Kräutern und Vollkornprodukten. Die folgenden Lebensmittel senken sogar den Cholesterinspiegel:

  • Äpfel: Die Pektine des Apfels binden Gallensäuren, was die Leber zur Neuproduktion der Säuren anregt, wobei sie Cholesterin abbaut.
  • Erbsen, Hülsenfrüchte: Alle Hülsenfrüchte enthalten grosse Mengen an Saponinen, Stoffe, welche Cholesterin daran hindern in die Blutbahn zu gelangen
  • Grüner Tee (China, Japan): Gerbstoffe und Saponine hemmen die Aufnahme von Fetten aus der Nahrung
  • Ingwer: Gingerole verstärkt die Umwandlung von Cholesterin in Gallensäuren
  • Knoblauch oder besser Bärlauch: Der Wirkstoff Allicin hemmt die Cholesterinsynthese
  • Leinsamen: Enthält den Wirkstoff Ligand, der den Cholesterinspiegel senkt
  • Nüsse: Ungesättigte Fettsäuren wirken günstig auf Blutfettprofil
  • Speiseöle: Öle von Sonnenblumensamen, Weizenkeimen, Kürbiskernen, Sesam und Soja sind reich an Phytosterinen, die Cholesterin senken. Olivenöle sind am wertvollsten.
  • Schokolade: Bei Bitterschokolade mit Kakaoanteil über 85% gewährt ein hoher Anteil an Polyphenolen eine positive Wirkung auf den Fettstoffwechsel.

Kann ein Schlaganfall auch jungen Menschen treffen?

Das Schlaganfallrisiko nimmt bei jungen Menschen in den letzten Jahren bedenklich zu. Anni Teiwes berichtet: „Du glaubst ja gar nicht, wie viele junge Leute ich in der Reha-Klinik in Bad Driburg gesehen habe. Ich konnte mit einer Frau um die 40 sprechen. Aufgrund eines Schlaganfalls war ihre Sprechfähigkeit stark gestört. Die muss durch eine lange Reha-Therapie und versuchen das Sprechen wieder zu erlernen.“

Infolge eines ungesunden Lebensstils mit schlechter Ernährung, Alkohol, Rauchen, zu wenig Bewegung und Stress nehmen die Risikofaktoren für Schlaganfall, aber auch für andere Krankheiten wie Diabetes zu.

Link: http://www.forumgesundheit.at/portal27/portal/forumgesundheitportal/content/contentWindow?action=2&viewmode=content&contentid=10007.689280

Wie kann jeder einem Schlaganfall vorbeugen?

Wer die wesentlichen Risikofaktoren im Griff hat, also nicht raucht, nicht übergewichtig ist und gesund lebt, muss sich zunächst einmal wenig Sorgen machen. Gesund leben beinhaltet gesundes, ausgewogenes und salzarmes Essen. Da ist anfangs sicher etwas gewöhnungsbedürftig, doch es ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern steigert auch den Eigengeschmack von Lebensmitteln. Also öfter mal selbst kochen und den Konsum von Fertig- und Fastfood meiden, denn hier wird viel zu kräftig gesalzen. Gesund leben beinhaltet auch regelmäßige Bewegung. Vorbeugend gegen Schlaganfall sind alle aeroben Übungen wie schnelles Gehen, Schwimmen, Wandern oder Radfahren – nicht ehrgeizig übertrieben, dafür regelmäßig. Wer häufig negativen Stress empfindet, sollte diesen gezielt abzubauen, zum Beispiel mit Wellness, Yoga, autogenem Training, Meditation und genug Schlaf.

Wie sollten Betroffene und Ärzte zusammenarbeiten?

Der Betroffene ist das wichtigste Mitglied im Expertenteam rund um seine Krankheit – weil er betroffen ist und maßgeblich sein Schicksal in die Hand nehmen muss.  Der Hausarzt kann in der Regel nur eine „Erstversorgung“ vornehmen, er ist aber kein Spezialist. Der wichtigste Fachspezialist beim Schlaganfall  ist der Neurologe. Er beschäftigt sich mit den Krankheiten des Gehirns, Rückenmarks, der Nerven und der Muskeln. Dazu gehört auch der Schlaganfall mit all seinen Ausprägungen. Der Physiotherapeut ist der Spezialist zur Regeneration von physischen Fähigkeiten nach einem Schlaganfall.

Wir alle kennen das: Ärzte haben einen straffen Fahrplan und immer weniger Zeit für Gespräche. Das hängt auch damit zusammen, dass Ärzte solche Gespräche nicht angemessen bezahlt kommen. Dennoch ist es unbedingt notwendig, und auch Ausdruck einer guten Beziehung zwischen Patient und Arzt, wenn sich der Arzt genug Zeit zur Klärung einer schwierigen oder rätselhaften Situation nimmt. Der Betroffene sollte sich auf das Gespräch beim Arzt immer gut vorbereiten. Daher ist Betroffenen sehr zu empfehlen, ein Krankheitstagebuch zu führen. In dem Tagebuch sollten alle wichtigen Ereignisse und Beobachtungen zur Krankheit mit Datum und Uhrzeit aufgeführt werden: Was genau ist wann und wo geschehen. Vor dem Gespräch mit dem Arzt sollten alle wichtigen Beobachtung und alle wichtigen Fragen vorformuliert sein, damit im Gespräch nichts vergessen wird. Sollte der Arzt im Gespräch zu schnell sein oder Fachchinesisch sprechen, dann muss der Betroffene den Arzt bitten, Zeit für Notizen zu lassen und verständlich zu erklären. Wenn ein Betroffener nicht in der Lage ist, ein Krankentagebuch selbst zu führen, sollte er eine Vertrauensperson um Hilfe bitten.

Wie sind Unternehmen betroffen?

Am 16. August 2013 schreckte die Wirtschaftswelt für einen Moment auf. Die Mitbegründerin der Modekette Zara, Rosalia Mera, starb im Alter von 69 Jahren an einem Schlaganfall. Mera begann ihre Karriere als Näherin, wurde Unternehmerin und stieg bis zur reichsten Frau Spaniens auf, berichtete die Finanzpresse. Was zu dieser Tragödie führte, wurde kaum thematisiert. Dabei sind die negativen Auswirkungen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei  Mitarbeitern in Unternehmen schon seit Jahren so gravierend, dass man hier von einem gewichtigen Wirtschaftsfaktor sprechen muss. Der Fall Mera verdeutlicht, dass Manager besonders gefährdet sind. Die negativen Auswirkungen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Unternehmen werden aufgrund der demographischen Verschiebung weiter zunehmen.

Unternehmen sind durch den Gesetzgeber dazu verpflichtet, für die gesundheitliche Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu sorgen. Doch Gesundheitsvorsorge im Unternehmen ist allerdings mehr als nur der Schutz vor möglichen Unfällen. Wer sich ernsthaft mit dem Thema befassen will, muss viel tiefer einsteigen. Unternehmen sollten sich einer genauen gesundheitlichen Analyse unterziehen und Mitarbeiter sowie Vorgesetzte nach belastenden Faktoren, insbesondere Stress am Arbeitsplatz, und deren Ursachen befragen. Die Massnahmen sollten mit einem Spezialisten in betrieblicher Gesundheitsvorsorge unter Einbezug der Mitarbeiter umgesetzt werden.

Kommentar verfassen